Zirkus

Der Große Russische Staatszirkus in Magdeburg
Jubiläumstour für den Clown Oleg Popov zum 80.


Er hat in aller Welt die Herzen der Menschen erfreut und ist heute der berühmteste Clown der Welt. Oleg Popov macht seit 60 Jahren seine Späße im Zirkuszelt und bezaubert große und kleine Zuschauer mit seiner einmaligen Mischung aus Poesie und Komik. Zu erleben ist der Achtzigjährige jetzt bei der Oleg-Popov-Jubiläumstour des Großen Russischen Staatszirkus, der noch bis Sonntag in Magdeburg gastiert.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg.
Als der Clown die Manege betritt brandet sofort Beifall auf. Er ist unverkennbar mit seiner karierten Mütze und der roten Nase. Für viele der Zuschauer ist Oleg Popov das Urbild eines Zirkusclowns schlechthin, unverändert scheinbar seit Kindertagen, seit den Zirkusbesuchen mit den eigenen Kindern oder jetzt mit den Enkeln. Und Oleg Popov hat noch immer den Strauß mit den Luftballons dabei, die er den Kleinsten schenkt, eines der Markenzeichen des großen Clowns, denn es ist eine Erinnerung an die eigene erste Begegnung mit dem Zirkus, als er selbst das Kind war und Empfänger des wunderbaren roten Luftballons, welcher in ihm die Liebe zum Zikus einst entzündet hatte. Das war in den 30er Jahren in der Sowjetunion. Aber Oleg Popov ist nicht nur dem Zirkus und sich selbst treu geblieben. Er ist auch immer wieder neu, auch heute noch, weil er immer genau auf die Menschen zugeht, die gerade in der Vorstellung sitzen. Es sind nicht die großen aufsehenerregenden Nummern, durch welche dieser Clown sein Publikum gewinnt. Es sind die Herzlichkeit und Wärme, die durch alle Erinnerungen hindurch und an allen Weltenenden, welche der Clown besuchte, gleichermaßen die Menschen berühren, und es ist natürlich die Kunst, immer genau die Bewegung zu tun, die Geste, den Blick und das Spiel, welche das gesamte Zirkusprogramm zusammenfügen. Und dies gelang auch jetzt wieder, nicht zuletzt, weil ihm zwei wunderbare Clownskollegen zur Seite stehen, Wladimir Fesenko und Gagik Avetisyan. Zu Beginn der Vorstellung kam Charlie Chaplin höchst persönlich. Dieser nämlich war und ist bis heute Popovs großes Idol, und natürlich nicht nur seines. Mit Gagik hat der Große Russische Staatszirkus einen Clown, der ein fast perfekter Doppelgänger Charlies ist, und wenn man ihm zuschaut, fühlt man sich unversehens in die Filme mit dem berühmten Komiker versetzt als wäre es Zauberei. Aber mit dem Zuschauen ist es nicht getan. Gagik findet Mitspieler im Publikum, und man braucht sich nicht hinter der ersten Reihe zu verstecken. Der Clown sucht und findet seine Talente im ganzen Zuschauerareal, und macht sie zu perfekten Pantomimen, die dann natürlich auch den rauschenden Beifall genießen dürfen.
Zirkus aber ist natürlich mehr als nur Clownerie. „Das Publikum von heute“, sagt Ilja Smitt, der Zirkusdirektor, „hat schon alles gesehen. Es geht nicht so sehr darum was, sondern wie man es zeigt“. Mit dieser Philosophie ist ein Zirkusprogramm entstanden, das mit viel Humor und in zauberhaften Kostümen, mit stets passender und gut musizierter Zirkusmusik und in ausgezeichneter Dramaturgie eine Reihe von Nummern zeigt, die weniger auf spektakuläre Höchstleistungen setzen, sondern auf perfekt gekonnte wunderbare Zirkuskunst. Dabei wird auf atemberaubende Artistik und tollkühne Stunts ebenso wenig verzichtet wie auf magische Verzauberung. Verzichten tut dieser Zirkus allerdings auf Nummern mit wilden Tieren. Statt dressierter Tiger oder kletternder Elefanten gibt es gelehrige und sehr muntere Hunde zu sehen (Marina und Igor Markevitsch) und ein sehenswerter Gypsy-Reiter (Juri Wolodschenkow).
Artistische Höhepunkte sind neben dem Luft-Duo Girgenov auch die Schleuderbrett-Akrobaten der Truppe um Wladimir Kowaljew, von denen Aufsehen erregende Sprünge von der Schaukel hoch oben unter der Zirkuskuppel zu sehen gibt.
Höhepunkt der Zirkusshow ist aber dann doch der Brasilianer Daniel Diorio mit seinem spektakulären Globe of Death, der „Todeskugel“, in der bis zu fünf Motorradfahrer in genauestens ausgerechneten Bahnen umeinander fahren. Nur wenige Zentimeter trennen die rasenden Räder voneinander. Als zur Premiere am Donnerstag nach einer Atem beraubenden Vierergruppe das fünfte Motorrad nicht starten konnte, vielleicht ließ es ein Tropfen Öl, vielleicht eine Fehlzündung oder ein Kiesel im Reifenprofil das nicht zu, gab es auch den allerherzlichsten Beifall dafür, dass – Sicherheit zuerst – die Show beendet wurde.
Bis Sonntag ist der Zirkus noch am Kleinen Stadtmarsch zu erleben, bevor er ab 18. Februar in Leipzig gastiert.